Skip to main content

Heldin oder Attentäterin? Die moralische Gratwanderung der Judith
Reihe Theologie und Philosophie

Sie war die gottesfürchtige Witwe, die in höchster Not den Mut aufbrachte, ihr belagertes Volk vor dem sicheren Untergang zu retten, eine strategisch brilliante Vordenkerin und zugleich eine entschlossene Akteurin, die den feindlichen Feldherrn Holofernes durch eine List überlistete und eigenhändig enthauptete. Kaum eine biblische Gestalt fasziniert und irritiert das moralische Empfinden bis heute so sehr wie Judith, deren Geschichte kein sanftes Frömmigkeitsideal, sondern ein hochdramatischer Kriminalfall um Widerstand, Glaube und die Grenzen der Ethik darstellt. In diesem Vortrag werfen wir einen philosophisch-theologischen Blick auf diese ambivalente Frauenfigur und betrachten, wie Meisterwerke der Kunstgeschichte von Artemisia Gentileschi über Caravaggio bis in die Moderne ihre Tat mal als Akt gerechter Befreiung durch Tyrannenmord, mal als verstörenden Gewaltakt inszeniert haben. Wir untersuchen, ob ein gutes Ziel jedes Mittel heiligen darf, wie politischer Widerstand im Namen des Glaubens zu bewerten ist und warum uns diese biblische Erzählung bis heute vor radikale Fragen über Recht, Unrecht und Zivilcourage stellt.

Florian Gernot Stickler, Jahrgang 1976, studierte klassische Archäologie, Philosophie und Kunstgeschichte an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, an der er auch im Fach Philosophie promoviert wurde. Zurzeit ist er als selbstständiger Philosoph und Geisteswissenschaftler in Würzburg tätig.

Heldin oder Attentäterin? Die moralische Gratwanderung der Judith
Reihe Theologie und Philosophie

Sie war die gottesfürchtige Witwe, die in höchster Not den Mut aufbrachte, ihr belagertes Volk vor dem sicheren Untergang zu retten, eine strategisch brilliante Vordenkerin und zugleich eine entschlossene Akteurin, die den feindlichen Feldherrn Holofernes durch eine List überlistete und eigenhändig enthauptete. Kaum eine biblische Gestalt fasziniert und irritiert das moralische Empfinden bis heute so sehr wie Judith, deren Geschichte kein sanftes Frömmigkeitsideal, sondern ein hochdramatischer Kriminalfall um Widerstand, Glaube und die Grenzen der Ethik darstellt. In diesem Vortrag werfen wir einen philosophisch-theologischen Blick auf diese ambivalente Frauenfigur und betrachten, wie Meisterwerke der Kunstgeschichte von Artemisia Gentileschi über Caravaggio bis in die Moderne ihre Tat mal als Akt gerechter Befreiung durch Tyrannenmord, mal als verstörenden Gewaltakt inszeniert haben. Wir untersuchen, ob ein gutes Ziel jedes Mittel heiligen darf, wie politischer Widerstand im Namen des Glaubens zu bewerten ist und warum uns diese biblische Erzählung bis heute vor radikale Fragen über Recht, Unrecht und Zivilcourage stellt.

Florian Gernot Stickler, Jahrgang 1976, studierte klassische Archäologie, Philosophie und Kunstgeschichte an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, an der er auch im Fach Philosophie promoviert wurde. Zurzeit ist er als selbstständiger Philosoph und Geisteswissenschaftler in Würzburg tätig.
22.07.26 13:19:30