Wir feiern 100 Jahre vhs Würzburg

Geschichtlicher Hintergrund der vhs Würzburg

Der Würzburger Generalanzeiger berichtete am 26.11.1918 über die Annahme der Satzung in der Gründungsversammlung: „Die Gründung der Würzburger Volkshochschule erfolgte gestern Abend im Huttenschen Garten in Anwesenheit von Regierungspräsident Dr. Henle und unter Beteiligung aller Schichten der Bevölkerung“. Weiter hieß es, dass schätzungsweise über 800 Personen anwesend gewesen seien.

Die ersten Anläufe, den Bürgern mit Volksschulbildung eine Weiterbildung zu ermöglichen, machten bereits 1912 u. a. die Universitätsprofessoren Dr. Robert Piloty und Dr. Albrecht Mendelssohn-Bartholdy, Domkapitular Dr. h. c. Thaddäus Strahler und der Buchhändler und Magistratsrat Felix Freudenberger.

Sie versuchten, den königlichen Behörden der Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg zu erklären, dass eine siebenjährige Volksschulzeit nicht die Fertigkeiten und das Wissen vermitteln könne, die ein ganzes Leben lang ausreichten, sich in Familie, Beruf und politischem Leben zu behaupten. Die Regierung konterte, jedermann könne sich aus Büchern und Zeitungen genügend fortbilden. Der hinhaltende Widerstand der Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg gegen die Gründung eines Vereins Volkshochschule richtete sich aber vor allem gegen den demokratischen Charakter des Vereines Volkshochschule. Dass die Vorstandschaft in demokratischer Wahl bestimmt werden sollte, mochte noch beim Kleingartenverein angehen, aber nicht da, wo die Heranbildung von Untertanen zu selbstständig denkenden Menschen und Mitbürgern geplant war.

So mussten sich die „Volksfreunde“ bis zur Ausrufung des Volksstaates Bayern im November 1918 gedulden. Bereits am 16.11.1918, also bereits vier Tage nach der Abdankung von König Ludwig III., wurde eine Gründungsversammlung einberufen, die nicht nur die Statuten einer Volkshochschule genehmigte, sondern auch gleich die vier eigentlichen Gründer in den Vorstand wählte. Es wurde als Vorzug vermerkt, dass der junge Verein nicht einer einzigen Partei verpflichtet war, dass die Hälfte der Gründungsmitglieder nicht nur theoretisierte, „sondern in den Niederungen der praktischen Politik tätig war“.

Erwachsenenbildung, so auch die Volkshochschule Würzburg, sollte die Differenz zwischen privilegierten und unterprivilegierten Schichten aufheben. Sie sollte nicht ein großer Rahmen für Vorlesungen sein, wie es Universitätsprofessor Mendelssohn darlegte, sondern sie „will planmäßig die Hörer zum Lernen anregen. Sie sind nicht an ein Examen gebunden. Jeder ist als Hörer willkommen; es wird nicht nach Vorkenntnissen und Vorbildung gefragt“. Volksbildung bedeutete eine Abkehr von der rein wissenschaftlichen Wissensvermittlung hin zu einer auf den ganzen Menschen ausgerichteten Volksbildungsarbeit. Ziel sollte neben der kognitiven Schulung die emotionale Förderung sein, bei der auch die manuellen Fertigkeiten nicht zu kurz kommen sollten. Die Namenswahl Volkshochschule war natürlich plakativ und provokant: „Volks-Hochschule“. Eine Hochschule fürs Volk, also für alle und nicht nur, wie zumindest bis 1918, für Betuchte. So ist die Namensgebung Programm: Bildung soll ihrer elitären Exklusivität beraubt und damit (wie das ganze Land) demokratisiert werden. Wobei die Volkshochschulen von vorneherein Bildung nicht als bloße „Wissensvermittlung“ verstanden wissen wollten.

Für das erste Semester 1919 von Mitte Januar bis März waren 47 Vorträge von Universitätsprofessoren zugesagt. Unter anderem zu den Themen „englischer Parlamentarismus“, „Arbeiterversicherungen und neues Verfassungsrecht“, „die Systeme der Verhältniswahl“, „elektrische Wellen“, „Religion primitiver Völker“, „Anatomie“; „Schlaflosigkeit“ und viele mehr.

1920 gehörten dem Verein Volkshochschule nicht nur viele Bürgerinnen und Bürger, sondern auch 49 Körperschaften, also Vereine, Verbände, Gewerkschaften und Parteien an. Der Start der Volkshochschule war beispielhaft dafür, wie gesellschaftliche und politische Gegensätze überwunden werden können. Dies war nicht selbstverständlich, denn Volksbildung war auch in Würzburg bis 1914 Teil des Weltanschauungskampfes zwischen Sozialdemokratie, Katholizismus und Liberalismus. Erst in der Weimarer Republik, wie es sich auch am Beispiel Würzburg zeigte, schwächten sich die Gegensätze ab.

Das Vorlesungsverzeichnis für das Wintersemester 1919/1920 umfasste bereits 24 „Vorlesungsreihen“ mit Themen aus allen Wissensgebieten und 10 Kursen oder Arbeitsgemeinschaften wie Sprachen, „bürgerliches Rechnen“, deutschem Aufsatz, Stillehre, Einführung in die deutsche Kunst oder Einführung in die Werke deutscher Meisterdichtung. In den Folgejahren wurde das Programm um heimat- und kunstgeschichtliche, geografische, geologische, botanische und ornithologische Führungen und Exkursionen erweitert.

Themen und Veranstaltungen der Volkshochschule waren in diesen Jahren vor allem geprägt von dem Gedanken der „demokratischen Erneuerung, der Hoffnung, durch Kennenlernen fremder Kulturen und anderer Nationen ein weiteres Völkermorden zu verhindern“. Eine Hoffnung, die wenige Jahre später brutal zertrümmert wurde.

Der Beitrag erhebt nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Arbeit. Er stützt sich auf die Erinnerungen von Werner Dettelbacher aus den Broschüren über „Die Gründer der Volkshochschule Würzburg 1918“ (hg. 1993).

Anbei das älteste noch vorhandene vhs-Programm aus dem zweiten Halbjahr 1919.

Wintersemester 1919/20 - Seite 1
Wintersemester 1919/20 - Seite 2 und 3

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